Eine Electro-Formation aus Berlin? Nicht gerade etwas Neues. Was The Emma Project vorhaben, geht aber in eine andere Richtung. In welche, verraten sie im Interview. Außerdem haben sie noch eine exklusive Preview für einen kommenden Song für uns bereitgestellt.
Was hat es mit eurem Namen auf sich?
Michael: Eine schwierige Frage. Ich antworte darauf immer gerne, dass Emma von Jim Knopf kommt, weil unsere Beats stampfen wie seine Dampflokomotive (grinst, Fabrice lacht). Emma ist aber auch ein junges, fiktives Mädchen. Sie ist schön und noch unbekannt wie The Emma Project; sie ist wie eine kleine Schwester, in die man Energie investiert, damit sie vorankommt.
Fabrice: Wir haben auch überlegt, auf deutsch zu singen, haben dann aber gemerkt, dass das nicht so gut mit unserer Musik zusammengeht.
Wie sind in eurer Band die Aufgaben verteilt?
Fabrice: Alle drei von uns sind Multiinstrumentalisten, das heißt jeder kann alles, niemand übernimmt spezifische Aufgaben. Wir spielen eher in der klassischen Besetzung – Gitarre, Bass – aber können zum Beispiel auch Saxophon und Violine.
Michael: Das ist auch das Konzept unserer Band. Wir sind keine Rockband, in der jeder ein Instrument spielt, und keine DJs, die elektronische Musik machen. Mir kam an einem Abend beim Trinken die Idee, ein eigenes, neues Ding zu machen, das eine Mischung aus Rockband und DJ sein sollte. Daraus ist dann The Emma Project geworden.
Fabrice: Alle können singen, jeder spielt verschiedene Instrumente und kann Songs schreiben und performen.
Bezeichnet ihr euch denn selbst als Band?
Fabrice: Wir nennen uns eher Projekt.
Wie entsteht bei euch ein Song?
Fabrice: In der Regel ist es so, dass Michael oder ich zu Hause eine Idee haben, die wir dann mit Ableton skizzieren.
Michael: Genau; mit einem Laptop und einem Mischpult arbeiten wir die Drums mit Ableton aus. Dazu spielen wir dann die Instrumente ein. Wir schicken uns dann diese Versionen hin und her und experimentieren bei Bandproben weiter daran.
Fabrice: Statt Samples benutzen wir unseren eigenen Gesang, zum Beispiel, indem wir eine ganze Strophe nur mit einem Wort ausfüllen.
Wie beschreibt ihr euren ersten veröffentlichten Song Two Faces?
Michael: Ich würde ihn als geil beschreiben! (Fabrice lacht) Spaß, auf jeden Fall ist er sehr Emma-mäßig.
Fabrice: Er hat etwas sehr eigenes, besteht aber zugleich aus klassischen Elementen: Gesang, Gitarre, Drums und Synthies. Daraus schaffen wir eine eigene Atmosphäre.
Michael: Wir hatten bei diesem Song eine intensive Diskussion über die Snare und das Drumset. Wie üblich ist die Snare computergeneriert, soll aber echt klingen, etwas Schnorriges haben. Unser Sound macht da die Biege von Punk zum Electrosound, er soll dreckig und real klingen. Gleichzeitig wollen wir aber nicht verschleiern, dass wir viel mit dem Computer arbeiten.
Fabrice: Es sind schon die typischen 606-Drums wie im Electro. Sie sollen aber ein bisschen abgefuckt klingen, britisch, wie ich immer dazu sage, also nicht ganz normal. Sie müssen straight sein.
Michael: Unsere Songs sollen am Boden bleiben, aber abgehoben sein. (lacht)
Fabrice: Bei Live-Auftritten überlegen wir zur Zeit auch, nicht nur zu dritt auf der Bühne zu stehen, sondern uns Verstärkung in Form von Percussions, Toms, Drums etc. zu holen. Die Snare wird dann vielleicht auch live gespielt.
Michael: Wir gehen unser Projekt aber sehr durchdacht an, deswegen schrauben wir noch an diesem Konzept.
Fabrice: Auf jeden Fall wollen wir Leben in die Show einhauchen.
Michael: Unser Sound besteht aus sehr vielen Klangflächen. Wir haben Pads aus dem Computer, wollen aber live Klangflächen auch durch Gesang erzeugen, vielleicht sind wir also live noch ein bis zwei Leute mehr.
Habt ihr denn schon ein ausgefeiltes Live-Konzept?
Fabrice: Auf jeden Fall! Da kann man sehr viel erwarten. Es ist sehr ausgeklügelt, da sollte man gespannt sein. Wir wollen kein normales Konzert wie eine Band oder ein DJ spielen. Es wird auf jeden Fall eine Show zum Tanzen, die durch visuelle Effekte unterstützt wird, zum Beispiel durch eine Beamer-Show, Videos, Bilder und Farben, die das Abtauchen in andere Sphären ermöglichen.
Michael: Das Abtauchen ins Elektrische wollen wir visuell unterstützen; wir haben auch ein bisschen Technisches am Start, eine Mischung aus Licht und Dunkelheit, aus Schwarz und Farben. Das geht auch in die Richtung von etwas Orientalischem, von Goa. Es hat etwas mit eintauchen und in sich selbst verlieren zu tun, etwas Psychedelisches. In unser Live-Konzept stecken wir mindestens so viel Energie wie in die Musik.
The Emma Project-Trailer
Habt ihr Idole oder Vorbilder, die Einfluss auf eure Musik haben?
Fabrice (zeigt auf ein Poster an der Wand): Jim Morrison!
Michael: Oft ist es eine Art Ideenberatung, genau wie in unserem Video. Einerseits ist es die Suche nach Ähnlichkeiten, aber wir wollen auch Differenzen herstellen.
Fabrice: Wir haben alle einen ähnlichen Musikgeschmack, aber jeder hat seine eigenen Vorlieben. Ich höre besonders viel Indiescheiß und Elektroscheiß aus Berlin.
Michael: Ich kombiniere gerne gregorianischen Chorgesang mit Electro. Unser dritter Mann Julian geht eher in die Stright-Techno-Richtung, sein Studium der klassischen Musik beeinflusst ihn aber auch. Wir haben auf jeden Fall alle einen gemeinsamen Nenner. Letztlich entstehen sehr unterschiedliche Songs, die sehr facettenreich sind und von Balladen bis hin zu Minimal reichen.
Fabrice: Natürlich zieht sich dennoch ein Style, ein Sound durch unsere Musik.
Michael: Man kann sagen, dass wir vom Fixpunkt Electro in alle Richtungen gehen …
Fabrice: … das kann man sich wie auf einer Mindmap vorstellen. Bei mir sind The Doors definitiv Vorbilder, vor allem was das Psychedelische angeht. Und MGMT.
Michael: Für mich The xx …
Fabrice: … auf jeden Fall! …
Michael: … und eben Indierock wie The Doors. Aber keine andere Band hat so viel „haa haa haaa“ (singt) wie wir. Ein anderes Vorbild ist für mich Dance on the Tightrope. Ihr Konzept geht in die richtige Richtung: Sie benutzen ein Keyboard, ab und an Pads. Für mich kommt da ein Stück weit auch die Idee für unser Konzept her.
Wie sieht es mit einem Album oder einer EP bei euch aus?
Fabrice: Ist in Planung! Wir gehen die Wochen noch ins Studio.
Michael: Letztes Jahr haben wir unseren ersten Song gemacht, dann war etwa ein dreiviertel Jahr Funkstille. Seit Dezember 2011 geben wir richtig Gas!
Fabrice: Jetzt geht’s ab!
Michael: In erster Linie aber erst mal live, wir wollen bekannter werden und viel live spielen. Eine Aufnahme schließt einen Song dann ab.
Fabrice: Im Sommer, wahrscheinlich Juli, wollen wir eine EP mit vier Songs über Mahoni Music bzw. Toolbox Records veröffentlichen. Vielleicht kriegen wir ja auch einen Major Deal; auf jeden Fall wollen wir alles in Bewegung setzen.
Michael: Das nächste halbe Jahr wollen wir durch Deutschland touren, unsere Connections nutzen und in der Szene bekannt werden. Unser erklärtes Ziel ist es, für ein Wochenende nach London zu fliegen und dort zu spielen. Wir wollen in einem großen Raum hier und da Fans sammeln. Wenn wir das erreicht haben, machen wir ein Album, vorher vielleicht die EP. Wenn wir weiter arbeiten wie bisher, also ein Song pro Monat, könnte das Album in einem Jahr kommen.
Habt ihr schon Pläne, wie ihr veröffentlichen wollt? CD, Vinyl, digital?
Fabrice: Auf CD zu veröffentlichen ist für uns am naheliegendsten. Vinyl wäre toll, weil wir totale Vinyl-Fans sind. Eine digitale Version wird es sicher auch geben.
Michael: Ich denke konkret an YouTunez. Auf unserem eigenen Webauftritt theemmaproject.de wird man in die Songs reinhören und auf YouTunez kaufen können. In zwei bis drei Monaten könnte es erste Promo-CDs geben.
Wie geht es bei euch weiter? Gibt es Termine für Auftritte?
Michael: Wir haben gerade viel zu tun, in etwa zwei Monaten wollen wir erste Konzerte geben.
Fabrice: Wir haben schon mit einigen Veranstaltern gesprochen. Im Juli planen wir mit Hilfe unseres Bookers Mathis Richter-Reichhelm eine kleine Tour durch Deutschland.
Michael: Wir rechnen damit, in etwa einem Monat die Termine für Juni/Juli bekannt geben zu können, da werden wohl auch ein paar Festivals dabei sein. Der Plan ist: erst im underground riden, dann mit dem Album rauskommen.
Besucht The Emma Project auf Facebook, SoundCloud oder auf ihrer Website theemmaproject.de, die in etwa einer Woche online geht.
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