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The Emma Project: Interview und Exclusive-Snippet!

An einem grauen Februarabend treffe ich Fabrice und Michael von The Emma Project. Was das Trio für 2012 plant, erzählt es im Interview.

The Emma Project

The Emma Project: Fabrice, Julian, Michael. © by Mahoni Music

Eine Electro-Formation aus Berlin? Nicht gerade etwas Neues. Was The Emma Project vorhaben, geht aber in eine andere Richtung. In welche, verraten sie im Interview. Außerdem haben sie noch eine exklusive Preview für einen kommenden Song für uns bereitgestellt.

Was hat es mit eurem Namen auf sich?

Michael: Eine schwierige Frage. Ich antworte darauf immer gerne, dass Emma von Jim Knopf kommt, weil unsere Beats stampfen wie seine Dampflokomotive (grinst, Fabrice lacht). Emma ist aber auch ein junges, fiktives Mädchen. Sie ist schön und noch unbekannt wie The Emma Project; sie ist wie eine kleine Schwester, in die man Energie investiert, damit sie vorankommt.

Fabrice: Wir haben auch überlegt, auf deutsch zu singen, haben dann aber gemerkt, dass das nicht so gut mit unserer Musik zusammengeht.

Wie sind in eurer Band die Aufgaben verteilt?

Fabrice: Alle drei von uns sind Multiinstrumentalisten, das heißt jeder kann alles, niemand übernimmt spezifische Aufgaben. Wir spielen eher in der klassischen Besetzung – Gitarre, Bass – aber können zum Beispiel auch Saxophon und Violine.

Michael: Das ist auch das Konzept unserer Band. Wir sind keine Rockband, in der jeder ein Instrument spielt, und keine DJs, die elektronische Musik machen. Mir kam an einem Abend beim Trinken die Idee, ein eigenes, neues Ding zu machen, das eine Mischung aus Rockband und DJ sein sollte. Daraus ist dann The Emma Project geworden.

Fabrice: Alle können singen, jeder spielt verschiedene Instrumente und kann Songs schreiben und performen.

Bezeichnet ihr euch denn selbst als Band?

Fabrice: Wir nennen uns eher Projekt.

Wie entsteht bei euch ein Song?

Fabrice: In der Regel ist es so, dass Michael oder ich zu Hause eine Idee haben, die wir dann mit Ableton skizzieren.

Michael: Genau; mit einem Laptop und einem Mischpult arbeiten wir die Drums mit Ableton aus. Dazu spielen wir dann die Instrumente ein. Wir schicken uns dann diese Versionen hin und her und experimentieren bei Bandproben weiter daran.

Fabrice: Statt Samples benutzen wir unseren eigenen Gesang, zum Beispiel, indem wir eine ganze Strophe nur mit einem Wort ausfüllen.

Wie beschreibt ihr euren ersten veröffentlichten Song Two Faces?

Michael: Ich würde ihn als geil beschreiben! (Fabrice lacht) Spaß, auf jeden Fall ist er sehr Emma-mäßig.

Fabrice: Er hat etwas sehr eigenes, besteht aber zugleich aus klassischen Elementen: Gesang, Gitarre, Drums und Synthies. Daraus schaffen wir eine eigene Atmosphäre.

Michael: Wir hatten bei diesem Song eine intensive Diskussion über die Snare und das Drumset. Wie üblich ist die Snare computergeneriert, soll aber echt klingen, etwas Schnorriges haben. Unser Sound macht da die Biege von Punk zum Electrosound, er soll dreckig und real klingen. Gleichzeitig wollen wir aber nicht verschleiern, dass wir viel mit dem Computer arbeiten.

Fabrice: Es sind schon die typischen 606-Drums wie im Electro. Sie sollen aber ein bisschen abgefuckt klingen, britisch, wie ich immer dazu sage, also nicht ganz normal. Sie müssen straight sein.

Michael: Unsere Songs sollen am Boden bleiben, aber abgehoben sein. (lacht)

Fabrice: Bei Live-Auftritten überlegen wir zur Zeit auch, nicht nur zu dritt auf der Bühne zu stehen, sondern uns Verstärkung in Form von Percussions, Toms, Drums etc. zu holen. Die Snare wird dann vielleicht auch live gespielt.

Michael: Wir gehen unser Projekt aber sehr durchdacht an, deswegen schrauben wir noch an diesem Konzept.

Fabrice: Auf jeden Fall wollen wir Leben in die Show einhauchen.

Michael: Unser Sound besteht aus sehr vielen Klangflächen. Wir haben Pads aus dem Computer, wollen aber live Klangflächen auch durch Gesang erzeugen, vielleicht sind wir also live noch ein bis zwei Leute mehr.

Habt ihr denn schon ein ausgefeiltes Live-Konzept?

Fabrice: Auf jeden Fall! Da kann man sehr viel erwarten. Es ist sehr ausgeklügelt, da sollte man gespannt sein. Wir wollen kein normales Konzert wie eine Band oder ein DJ spielen. Es wird auf jeden Fall eine Show zum Tanzen, die durch visuelle Effekte unterstützt wird, zum Beispiel durch eine Beamer-Show, Videos, Bilder und Farben, die das Abtauchen in andere Sphären ermöglichen.

Michael: Das Abtauchen ins Elektrische wollen wir visuell unterstützen; wir haben auch ein bisschen Technisches am Start, eine Mischung aus Licht und Dunkelheit, aus Schwarz und Farben. Das geht auch in die Richtung von etwas Orientalischem, von Goa. Es hat etwas mit eintauchen und in sich selbst verlieren zu tun, etwas Psychedelisches. In unser Live-Konzept stecken wir mindestens so viel Energie wie in die Musik.

The Emma Project-Trailer

Habt ihr Idole oder Vorbilder, die Einfluss auf eure Musik haben?

Fabrice (zeigt auf ein Poster an der Wand): Jim Morrison!

Michael: Oft ist es eine Art Ideenberatung, genau wie in unserem Video. Einerseits ist es die Suche nach Ähnlichkeiten, aber wir wollen auch Differenzen herstellen.

Fabrice: Wir haben alle einen ähnlichen Musikgeschmack, aber jeder hat seine eigenen Vorlieben. Ich höre besonders viel Indiescheiß und Elektroscheiß aus Berlin.

Michael: Ich kombiniere gerne gregorianischen Chorgesang mit Electro. Unser dritter Mann Julian geht eher in die Stright-Techno-Richtung, sein Studium der klassischen Musik beeinflusst ihn aber auch. Wir haben auf jeden Fall alle einen gemeinsamen Nenner. Letztlich entstehen sehr unterschiedliche Songs, die sehr facettenreich sind und von Balladen bis hin zu Minimal reichen.

Fabrice: Natürlich zieht sich dennoch ein Style, ein Sound durch unsere Musik.

Michael: Man kann sagen, dass wir vom Fixpunkt Electro in alle Richtungen gehen …

Fabrice: … das kann man sich wie auf einer Mindmap vorstellen. Bei mir sind The Doors definitiv Vorbilder, vor allem was das Psychedelische angeht. Und MGMT.

Michael: Für mich The xx …

Fabrice: … auf jeden Fall! …

Michael: … und eben Indierock wie The Doors. Aber keine andere Band hat so viel „haa haa haaa“ (singt) wie wir. Ein anderes Vorbild ist für mich Dance on the Tightrope. Ihr Konzept geht in die richtige Richtung: Sie benutzen ein Keyboard, ab und an Pads. Für mich kommt da ein Stück weit auch die Idee für unser Konzept her.

Wie sieht es mit einem Album oder einer EP bei euch aus?

Fabrice: Ist in Planung! Wir gehen die Wochen noch ins Studio.

Michael: Letztes Jahr haben wir unseren ersten Song gemacht, dann war etwa ein dreiviertel Jahr Funkstille. Seit Dezember 2011 geben wir richtig Gas!

Fabrice: Jetzt geht’s ab!

Michael: In erster Linie aber erst mal live, wir wollen bekannter werden und viel live spielen. Eine Aufnahme schließt einen Song dann ab.

Fabrice: Im Sommer, wahrscheinlich Juli, wollen wir eine EP mit vier Songs über Mahoni Music bzw. Toolbox Records veröffentlichen. Vielleicht kriegen wir ja auch einen Major Deal; auf jeden Fall wollen wir alles in Bewegung setzen.

Michael: Das nächste halbe Jahr wollen wir durch Deutschland touren, unsere Connections nutzen und in der Szene bekannt werden. Unser erklärtes Ziel ist es, für ein Wochenende nach London zu fliegen und dort zu spielen. Wir wollen in einem großen Raum hier und da Fans sammeln. Wenn wir das erreicht haben, machen wir ein Album, vorher vielleicht die EP. Wenn wir weiter arbeiten wie bisher, also ein Song pro Monat, könnte das Album in einem Jahr kommen.

Habt ihr schon Pläne, wie ihr veröffentlichen wollt? CD, Vinyl, digital?

Fabrice: Auf CD zu veröffentlichen ist für uns am naheliegendsten. Vinyl wäre toll, weil wir totale Vinyl-Fans sind. Eine digitale Version wird es sicher auch geben.

Michael: Ich denke konkret an YouTunez. Auf unserem eigenen Webauftritt theemmaproject.de wird man in die Songs reinhören und auf YouTunez kaufen können. In zwei bis drei Monaten könnte es erste Promo-CDs geben.

Wie geht es bei euch weiter? Gibt es Termine für Auftritte?

Michael: Wir haben gerade viel zu tun, in etwa zwei Monaten wollen wir erste Konzerte geben.

Fabrice: Wir haben schon mit einigen Veranstaltern gesprochen. Im Juli planen wir mit Hilfe unseres Bookers Mathis Richter-Reichhelm eine kleine Tour durch Deutschland.

Michael: Wir rechnen damit, in etwa einem Monat die Termine für Juni/Juli bekannt geben zu können, da werden wohl auch ein paar Festivals dabei sein. Der Plan ist: erst im underground riden, dann mit dem Album rauskommen.

Besucht The Emma Project auf Facebook, SoundCloud oder auf ihrer Website theemmaproject.de, die in etwa einer Woche online geht.

Glenn Astro

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Ein Gespräch mit dem Produzenten Glenn Astro über Genres und seine Vorliebe für analoges Equipment.

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Ich glaube jeder Mensch hat ein gewisses Bedürfnis nach Ordnung. Dies kann sich zum Beispiel in festen Esszeiten äußern (ich habe zwar noch nie so jemanden getroffen, aber soll’s wohl geben) oder in dem Verlangen Musik in Worte zu fassen, zu kategorisieren. Letzteres trifft auf mich zu. Schäme ich mich dafür? Auf keinen Fall. Jedoch muss ich zugeben, dass mir das wohl nie so schwer gefallen ist, wie bei Glenn Astro. Seit ungefähr einem Jahr folge ich ihm auf Soundcloud und die Entwicklung, die er in dieser relativ kurzen Zeitspanne gemacht hat ist einfach atemberaubend. An diesem Punkt könnte wohl einer meiner langen, allzu pathetischen Monologe über mein Musikempfinden einsetzen, aber ich habe beschlossen mich diesmal zurückzuhalten.

Ich freue mich daher sehr euch ein Interview mit einem netten, talentierten und vielversprechenden Künstler zu präsentieren :

In der Beschreibung zu der Hold On Ep, die einen Remix von dir enthält, bezeichnet dich HHV als “Afro House/2 Step Artist”. Findest du, dass das zu dir passt?

Glenn Astro: (lacht) Das ist natürlich direkt eine harte Frage. Ich weiß zwar nicht wie HHV darauf gekommen ist, aber ich finde es schön, dass sich Leute darüber Gedanken machen, welche Beschreibung zu meiner Musik passt. Und bevor man mich in die “Minimal/Tech-House” Schublade steckt (wie ein Webshop letztens), ist mir “Afro House/2 Step” doch lieber.

Noch ein Zitat : “When Glenn Astro started making music at the age of 12″. Dieser Satz steht in deiner Biographie auf der Seite von Big Bait Records. Ich frage mich, wie kommt man so früh in Berührung mit Musik und vor allem Produktion? Hattest du einen älteren Bruder, der dich in die Welt des Hip Hop eingeführt hat, wie das zum Beispiel bei Suff Daddy der Fall war? 

GA: Das klingt nach einer schönen Bilderbuchgeschichte. Ganz so war es bei mir leider nicht. Ich habe zwar einen älteren Bruder, der ist aber eher ein Freund der Gitarrenmusik – von ihm habe ich zum Beispiel meine erste Gitarre und einen E-Bass bekommen. Zum Produzieren kam ich vor allem durch das Djing: Am Anfang standen viele Turntablelism und Scratch Versuche, jedoch habe ich das relativ schnell schleifen lassen, einfach weil es zu viel Üben war. Parallel dazu habe eine uralte Fruity Loops Version entdeckt und damit die ersten “Beats” gemacht. Das hat sich dann auch sehr schnell auf andere Programme und erste Hardware Anschaffungen ausgeweitet. Trotzdem traue ich mir noch einen halbwegs passablen Crab Scratch zu. (lacht) 

Ein Charakteristikum deiner Musik ist immer diese gewisse “Rawness”. Wie kommt sie zustande? 

GA: Also diese Rawness, die Du ansprichst, entsteht denke ich wirklich dadurch, dass ich den Großteil meiner Tracks ausserhalb des Computers produziere. Das Herzstück ist dann meistens die MPC oder die SP 404 für Drums und Samples. Dazu benutze ich noch analoge Klangquellen, also Synthies und Rackmodule. Zur Zeit benutze ich zum Beispiel sehr oft den JX-8P von Roland, der einen sehr warmen analogen Sound hat, aber für Basslines leider nicht viel taugt. Für Percussions hab ich ‘nen Haufen billiger Shaker und Triangeln, die ich gerne benutze.  Im Endeffekt dient meine DAW dann nur dazu die einzelnen Spuren zu arrangieren oder für Effekt-Plugins. Es ist aber nicht so, dass ich keine ”sauber & digital” ausproduzierte Musik mag, es hat sich für mich nur so ergeben, dass ich für meine Produktionen diese ‘dreckige’ Sound Ästhetik bevorzuge.

Setzt du deine Musik auch Live um? Wenn ja, wie? 

GA: Nee, ein Live-Set mit Laptop und Controllern hab ich nicht. Wenn, dann leg ich einfach mit Vinyl auf. Eigene Sachen kann ich dann also eher nicht spielen, weil es ja nichts bzw. fast nichts von mir auf Vinyl gibt. Serato oder ähnliches besitze ich auch nicht. Alles also sehr Basic & “oldschool”,  wenn man das so nennen möchte. Wenn es soweit ist, werde ich mir mal Gedanken über ein Live-Set machen. Momentan macht es mir auch einfach noch sehr viel Spass nur mit zwei Plattenspielern und einem Mixer aufzulegen.

Naja “fast nichts” ist auch etwas zu tief gestapelt. Du hast gerade zwei Tracks auf Big Bait Records und einen Remix für KRTS veröffentlicht. Wie kam der Deal mit Big Bait zustande?

GA: Das mit Big Bait Records lief recht entspannt ab. Peter Clamat hat mich damals über Soundcloud angeschrieben und gefragt, ob die beiden Tracks schon für etwas eingeplant wären und ob ich nicht Lust hätte sie über Big Bait rauszubringen. Da hab ich natürlich ja gesagt, wie man sieht. Ich bin echt froh, dass es zu diesem Release gekommen ist, zumal die andere Seite mit Lee Websters ‘Hotel Groove’ auch stark ist.

 

Was können wir von dir in 2011 bzw. 2012 musikalisch erwarten? 

Es steht grad einiges an. Demnächst wird es einige Remixe von mir geben, die ich gemacht hab für Duktus (Resistant Mindz), JJ Mumbles (WotNotMusic) und Cream Child (Ritmo Sportivo). Ende November kommt dann noch eine EP über das russische Label Ritmo Sportivo. Ansonsten ist eine EP zusammen mit Krts in Arbeit für das Soulection Radio/Label, da weiß ich aber noch nicht wann das fertig sein wird. Und eine Sache, auf die ich mich sehr freue, ist ein Projekt, das ich zusammen mit Rasho T. L’Or, I.M.YRMiND und Renaud Davis plane. Näheres kann ich an dieser Stelle aber noch nicht verraten.

Krts – Hold On (Glenn Astro Remix) [PMC087] by Glenn Astro

BUY AT : HHV

Glenn Astro – Colored Sands 1&2 (preview) [bigbait008] by Glenn Astro

BUY AT : DECKS 

Fela Soul

Fela Soul Cover

De La Soul + Fela Kuti = Fela Soul. Produzent Amerigo Gazaway beschert uns ein Mash-Up Album vom Allerfeinsten!

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Eigentlich sehen wir es nicht als unsere Aufgabe über täglich neu erscheinende free-download-tracks und -mixtapes zu berichten, das überlassen wir lieber den zahlreichen darauf spezialisierten Blogs. Wenn aber was besonders Interessantes dabei ist, wie nun vor wenigen Wochen, greifen wir dies gerne aus dem schnell fließenden Informationsstrom heraus, bringen es hier in eine etwas exponiertere Stellung und halten es für ein paar Tage länger fest. Getroffen hat es diesmal ein ziemlich gelungenes Mash-Up-Album von Amerigo Gazaway, einem in Nashville, Tennessee lebenden Rapper, Turntablisten und Hip Hop Produzenten.

Grey AlbumZusammengestellt hat dieser das 9 Songs umfassende „Fela Soul“, welches – wie der Name vermuten lässt – eine Fusion des Afrobeats Fela Kutis mit den Reimen des legendären Raptrios De La Soul wagt. Dass Mash-Up Alben, auf denen unterschiedliche Musikstile zusammengeführt werden, gut funktionieren können, wissen wir spätestens seit Danger Mouses 2004 einschlagendem Grey Album, auf dem die Instrumentals der Beatles auf Jay-Zs Acapellas treffen. Davon inspiriert hat es in den folgenden Jahren nahezu eine Flut ähnlicher Projekte gegeben. Eine herausragende Rolle hat dabei sicherlich Max Tannone eingenommen, der mittlerweile eine ganze Serie beeindruckender Mash-Ups produziert hat: Darunter eine Fusion von Jay-Z und Radiohead (Jaydiohead), Dub Mixes der beiden Black Star Partner Talib Kweli und Mos Def und erst in diesem Jahr konnten wir Wu-Tangs Ghostface über verspielte Funkbeats (Ghostfunk) spitten hören. Gräbt man sich tiefer in die Mash-Up Welt, kann man fast alle möglichen Kombinationen vorfinden und interessante Entdeckungen machen: So brachten beispielsweise die beiden weitgehend unbekannten DJs Cappel & Smitty die Raps von Notorious BIG auf Tuchfühlung mit Frank Sinatras Klassikern und es funktionierte erstaunlich gut. Doch nicht alles was sich erst mal gut liest, hört sich auch gut an und so finden sich leider auch viele halbgare und zu gezwungen klingende Mash-Ups im Netz.

Amerigo Gazaway

A. Gazaway

„Fela Soul“ klingt hingegen alles andere als gezwungen. Würde man die Originale nicht kennen, könnte man gut glauben, De La Soul würde genau so klingen, wie Amerigo Gazaway es neu arrangiert hat. Gleichzeitig merkt der mit De La Soul vertraute Hörer, dass Gazaway die Songs nicht einfach nur verändert, sondern sie bereichert und das macht schließlich ein gutes Mash-Up aus. Um die Vocals wurde ein neues und stimmiges Beatgerüst aus den Drums von Kuti Songs, teilweise aber auch anderen Quellen, gezogen und dieses mit einem Haufen Fela Kuti Samples – vorzugsweise satten Bläsersätzen – versehen. Bestechend ist auch die Songauswahl, denn es finden sich Songs aus den verschiedensten Jahren, Klassiker wie „Stakes is High“ oder „Ooh feat. Redman“ und überraschende, sicherlich nicht leicht zu bearbeitende Tracks wie das weirde „Rock Co.Kane Flow“ oder die Gorillaz-Kollabo „Feel Good Inc.“ auf dem Album.

Wie es der Produzent in den Liner Notes zu „Fela Soul“ selbst auf den Punkt bringt, kombiniert das Mash-Up den Sound zweier zeitloser Legenden unterschiedlicher Genres, deren Schaffen eine kaum zu messende Zahl heutiger Musiker und Künstler beeinflusst und inspiriert haben dürfte. Musikalisch zeigt Gazaway, dass Afrobeat und Hip Hop originell zusammen gehen können, aber auch die Message sei eine ähnliche, so Gazaway. So wie die Rapper aus der amerikanischen Unterschicht die bestehenden Zustände und Ungleichheiten angeprangert haben, so ist ganz klar auch Felas politischer Aufruf einer für den sozialen Wandel und gegen die Unterdrückung (in seinem Fall durch die ehemalige nigerianische Militärdiktatur) gewesen. Vergessen wird dabei jedoch ein anderer Teil von Kutis Message, nämlich seine mehr als problematische Sicht auf die Rolle der Frauen, seine Einstellung zum Thema Verhütung sowie seine Dämonisierung von Homosexualität (was im Übrigen leider auch Themen sind, die der Hip Hop Welt nicht immer fern sind). Nichtsdestotrotz lohnt es sich, sich mit dem Begründer des Afrobeats auseinanderzusetzen und dafür bietet Gazaways brückenschlagendes Fela Soul Cover„Fela Soul“ dem Hip Hop Fan erstes überzeugendes und in vertraute Strukturen eingeflochtenes Anschauungsmaterial. Wen es weiter, aber weniger in die vergangenen Tage treibt, der kann auch gegenwärtig eine Fülle an Afrobeat-Alben vorfinden, denn das Genre erfreut sich seit einigen Jahren einem richtigen Revival. Nicht zuletzt veröffentlichen auch Felas ältester Sohn Femi Kuti sowie der Drummer aus Felas damaliger Band, Tony Allen, fleißig Alben, die sich hören lassen.

Aber zurück zu Amerigo Gazaways „Fela Soul“. Meine Empfehlung jetzt – um es in Worten der Native Tongue Posse zu sagen: „Sit back, relax, listen to some hip hop“

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DJ Conikt – Mondkultur Podcast #005

Conikt

Der neue Mondkultur-Podcast ist da! Diesmal kommt er von DJ Conikt aus Leipzig. In alter Manier gibt es auch wieder ein Interview mit dem Künstler, das ihr hier lesen könnt.

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Vor einigen Wochen haben wir über die neue Single des Berliner Produzenten Trucker Stroe und der aus Buffalo, NY stammenden Rap-Formation Pseudo Slang berichtet und zwei Exemplare unter den Mondkultur-Lesern verlost. Erschienen ist die 7 Inch auf dem Label ThinkLoud, wo neben Rappern und Produzenten auch eine Reihe DJs zu Hause ist. Zu diesen zählt auch einer der Label-Mitbegründer selbst, Uncle Corn aka DJ Conikt, der uns und vor allem Euch ein exklusives Mondkultur-Mix(tape) zusammengestellt hat! Wir wünschen viel Spaß beim Hören und haben Conikt gebeten, sich und seinen Mix kurz vorzustellen.

Mondkultur: Wie bist du zum Plattensammeln und DJing gekommen?

DJ Conikt: Ich war im Jahr 2000 das erste Mal auf dem Splash Festival und habe dort gesehen wie DJs auflegen. Natürlich hatte ich das auch schon vorher hier und da sehen und hören können, doch begeisterte mich das Festival und die Fülle an Qualität so sehr, dass ich begann mich neben der Musik auch für das Handwerk des DJs zu interessieren. Als ich zurück kam, habe ich mir von meinem Lehrlingsgeld einen Technics-Plattenspieler gekauft und angefangen Schallplatten zu kaufen. Zunächst habe ich ein schlechtes Behringer Mischpult und einen alten RFT-Plattenspieler zum Mischen benutzt, doch noch im selben Jahr habe ich die ersten Tapes aufgenommen und mit meinen Cousins kleine Partys veranstaltet. Das war zunächst eine ganz private Angelegenheit, doch ca. ein Jahr später hatten wir dann mehr als 300 Gäste. Über diese Partys lernte ich auch meine jetzigen Labelkollegen kennen und so kam eins zum anderen, indem man Ressourcen zusammenlegte und natürliche Synergieeffekte nutzte.

MK: Erinnerst du dich noch an deine erste gekaufte Scheibe?

Conikt: Meine erste Bestellung habe ich kurz nach dem Besuch beim Splash gemacht. Ein Fußballkollege hatte mir damals den MZEE Katalog mitgebracht. Dort gab es ja fast alle deutschen Rapveröffentlichungen in Form von Vinyl zu kaufen und ich habe das Angebot ausgiebig genutzt. Meine ersten zwei Platten waren die Alben „Fenster zum Hof“ von den Stieber Twins und „Genesis Exodus“ von Main Concept. Das waren wohl die beeindruckendsten Acts auf dem Splash gewesen.

MK: Welchen Sound legst du auf und was bekommen wir in deinem hier bei Mondkultur präsentierten Mix zu hören?

DJ ConiktConikt: Ich lege seit ca. 11 Jahren auf und ich habe in dieser Zeit verschiedene Genres ausprobiert. Angefangen habe ich wie gesagt mit deutschem HipHop und natürlich habe ich wenig später englischsprachigen Rap entdeckt. Über meine DJ-Kollegen bei ThinkLoud habe ich dann auch zu den Wurzeln von Rapmusik gefunden und meine Sammlung um Soul-, Funk- und Jazzplatten erweitert. Prinzipiell höre ich aber alle erdenklichen Genres, doch wenn ich auflege handelt es sich schon meistens um homogene HipHop Sets, wobei es mir immer wichtig ist, nicht nur Klassiker zu spielen, sondern auch stets aktuelle Platten einzubauen. Denn finde ich es schade, dass die meisten HipHop DJs immer nur die Rapstücke spielen, die schon vor 10 Jahren funktioniert haben. Sicher gehören DJ Premier oder Pete Rock Tracks zu jedem guten HipHop Set dazu, doch gibt es auch heute noch gute Künstler und Platten im Style des klassischen HipHop Sounds, so dass ich immer versuche auch aktuelle Lieder einzubauen. Auch um vielleicht den ein oder anderen Klassiker von morgen zu kreieren.

MK: Ich finde, der Mix passt perfekt zur anbrechenden Jahreszeit. Welche Stimmung soll dein Mix transportieren?

Conikt: Genau, der Mix für Mondkultur ist nicht mit einem Genre zu beschreiben, sondern wie Du schon bemerkt hast, gibt es da eher eine Stimmung, die sich im Sound wiederfindet. Das Thema Mond und die damit verbundenen Assoziationen haben mich auf jeden Fall beim Mischen und Auswählen der Platten inspiriert. Konkret habe ich dazu Künstler wie Bibio, Long Arm, Onra, Krts, das Bersarin Quartett oder Huess ausgewählt. Dabei ging es mir aber nicht nur um den Sound in Bezug auf eine Stimmung, sondern auch um konkrete Künstler, die ich zur Zeit sehr gerne höre und die auf jeden Fall noch mehr Aufmerksamkeit verdienen. Zwar habe ich den Mix absichtlich mit unserer aktuellen Veröffentlichung begonnen und ursprünglich sollte es auch eher ein HipHop Mix werden, doch wie ihr hören könnt, ist alles ganz anders gekommen. Das zeigt mir, dass das Plattenauflegen nicht nur ein Handwerk ist, sondern auch etwas kreativ Künstlerisches.

MK: Gibt es die Möglichkeit, mehr von dir zu hören und was erwartet uns in Zukunft von deinem Label ThinkLoud?

Conikt: Wie ihr schon berichtet habt, haben wir bei ThinkLoud zuletzt eine Singleschallplatte von Pseudo Slang und Trucker Stroe veröffentlicht. Es werden sicher weitere Veröffentlichungen folgen, gerade Trucker Stroe hat schon ein ganzes Album fertig, was auch wieder als Schallplatte erscheinen soll, doch ein genaues Veröffentlichungsdatum kann ich hier noch nicht benennen. Bis dahin werde ich sicher nicht untätig sein, denn ich bin weiterhin regelmäßig im Radio aktiv. Und zwar sende ich einmal im Monat auf Radio Blau im freien Bürgerradio von Leipzig. Meine Sendung heißt Future Classics und beschäftigt sich vor allem mit aktuellen HipHop Veröffentlichungen. Hier kann man alle bisherigen Shows im Archive nachhören und auf radioblau.de findet man auch einen Livestream zum Programm des Senders. Über zwei Jahre war ich auch bei Soulsender.de aktiv, einem Webradio, welches leider seit diesem Monat den Sendebetrieb auf unbestimmte Zeit eingestellt hat. Auch hier gibt es ein Archiv zu den gelaufenen Sendungen. Interessant waren bei diesen Sendungen vor allem die Interviews mit Künstlern wie Mayer Hawthorne, den Stieber Twins, Oddisee, Miles Bonny, Suff Daddy, Mathew Halsall, usw.

MK: Wir bedanken uns bei dir für das Interview.

Helden meiner Jugend

Beginner 2011

Die Beginner sind zurück! Mit ihrem einzigen Auftritt 2011 sind sie nicht nur Headliner beim Berlin Festival, sondern vor allem mein persönliches Highlight.

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Kaum zu glauben: Am nächsten Samstag werde ich die Beginner live sehen. Nach der Tour zum Album „Blast Action Heroes“ 2004, bei der ich noch etwas zu jung für einen Konzertbesuch war, kommt nun nach sieben Jahren Abstinenz für mich die Möglichkeit, die großen Helden meiner Jugend zu erleben. In der Zwischenzeit wurde ich eingefleischter Fan, Rapnerd und Vinylliebhaber. Meine Sammlung umfasst nicht nur die beiden ersten EPs „Gotting“ und „Ill Styles“ (jeweils als 12″ und CD), sondern auch einige „Eimsbush“-Relikte, die ich nach dem Labeltod 2003 posthum bei eBay zusammenkaufte.

Absolute Beginner – Die Kritik an Platten kann die Platten der Kritik nicht ersetzen (1994)

Natürlich waren auch die Beginner nicht untätig – Eißfeldt ist als Jan Delay in aller Munde, Denyo hat sich selbst als Songwriter Dennis Lisk wiedergefunden und moderiert gerade auf Vox „Cover my Song“ und DJ Mad ist neben seiner nach wie vor gefragten DJ-Tätigkeit mittlerweile auch Labelinhaber.

Um so interessanter und spannender wird hoffentlich ihr erster „richtiger“ Auftritt seit langem, vielleicht sogar mit neuen Songs.

Wo: Flughafen Tempelhof (Berlin Festival)

Wann: Samstag, 10. September 2011, 22:30

Eintritt: 48,40€ (Tagesticket)

Minimal und die kolossale Blase

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Ein Monster begeistert Paris und ein Techno DJ nutzt seine Chance.

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Wenn in Paris die Besucher den Grand Palais betreten werden sie nahezu erschlagen: Ein gewaltiges, schlauchartiges Objekt hat sich in die berühmten Hallen begeben und nimmt annähernd den gesamten Raum ein. Bei 100 m Breite und 38 m Höhe bestehend aus tausenden zusammengeschweißten Kunststoffteilen weiss keiner so richtig wo er zuerst hinschauen soll. Der Ausnahmekünstler Anish Kapoor hat sein neuestes Werk “Leviathan” aufgebaut.
Die Besucher werden geradezu aufgefressen von der Größe des auswölbenden Riesengebildes, das nach dem alten Ungetüm aus den Schriften von Thomas Hobbes benannt wurde.

Man kann die rund 80.000 Kubikmeter von innen betreten und gelangt dabei in den Bauch einer exorbitanten Architektur, die den Anschein hat, als befinde man sich in dem Magen des besagten Ungeheuers.
Da das Werk dem noch vor kurzem von der chinesischen Regierung festgehaltenen Künstler Ai Weiwei gewidmet wurde, ist die Verbindung zu dem als Monster beschriebenden Staat von Hobbes deutlich sichtbar.

Aber auch andere Künstler sind auf die Skulptur aufmerksam geworden. So hat der als weltbester Minimal DJ geltende Richie Hawtin im Grand Palais einen audiovisuellen Auftritt im Rahmen des "creators projekt" gehabt. Die Stimmung muss überwältigend gewesen sein.
Richie Hawtin im Grand Palais

Moby’s Dick

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Der Isländer Sigurdur Hjartarson sammelt Schwänze jeglicher Façon und stellt sie im weltweit einzigen Phallusmuseum aus.

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Schon seit 37 Jahren geht der pensionierte Lehrer seinem lustigen Hobby nach. Ein skurriles Geschenk, eine Peitsche aus einem Bullenpenis machte damals den Anfang, “Ich fand das witzig, und irgendwie haben die Leute dann angefangen, mir Penisse zu schenken”, sagt er. Er und ich sind anscheinend nicht die Einzigen, die das witzig finden, zählt sein Museum mittlerweile doch schon 262 Exphallate.

Can't touch this!

Wale, Eisbären, Robben und Walrosse, Pferde, Füchse, Hamster und Elefanten sind im kleinen Häuschen an der Nordküste der Insel repräsentiert. Das größte beste Stück jagt einem vor lauter Minderwertigkeitsgefühlen gar einen Schauer über den Rücken: 170 Zentimeter und 75 Kilogramm muss der Pottwal für lange, wilde Nächte in der Tiefsee bemühen (siehe links).

Vier Menschen haben ihm auch schon seinen Penis geschenkt, allerdings erst, wenn sie tot sind. Die kommen laut Hjartarson dann in die internationale Abteilung, “der deutsche, der englische und der amerikanische Penis.” Der Amerikaner war gar dermaßen begeistert, dass er sein Ding noch zu Lebzeiten verschenken wollte, um es anschließend in einer Glasvitrine bewundern zu können. Aber so weit möchte Hjartarson (der zu Festtagen auch mal eine Pottwalpenisfliege trägt) dann doch nicht gehen, schließlich ergänzt sein Penis die Sammlung auch erst nach seinem Tod.

Während jedoch die Bewohner von Husavik Hjartarson für ein wenig verrückt erklären, haben die Japaner schon seit Jahrtausenden kapiert, worum es im Leben geht und feiern den Mittelpunkt der männlichen Existenz jedes Jahr mit dem “Tag der Fruchtbarkeit”, an dem sie fröhlich jede Menge Genitalien durch die Gegend tragen.

Trucker Stroe meets Pseudo Slang (+ Verlosung)

Pseudo Slang x Trucker Stroe

Oder: Es kommt zusammen, was zusammen passt

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Pseudo Slang x Trucker StroeAuf einer neuen 7 Inch Single aus dem Hause ThinkLoud vereinen sich intelligent arrangierte und seelenvolle Beats des Berliner Produzenten Trucker Stroe mit den bedeutungsstarken Versen der aus Buffalo, New York stammenden Hip-Hop-Formation Pseudo Slang. Der vollmundige organische Sound scheint den beruhigenden sonoren Stimmen der ohne dumpfe Plattitüden auskommenden Conscious-Rappern aus den Staaten wie auf den Leib geschnitten. Dazu passt, dass die Kollaboration nicht über eine willkürliche Myspace-Anfrage entstand, sondern vielmehr auf natürliche Weise ins Rollen kam.

Pseudo Slang veröffentlichten vor zwei Jahren ihr Debütalbum „We’ll Keep Looking“ auf Fat Beats, was ThinkLoud Mitbegründer Uncle Corn aka DJ Conikt dazu veranlasste, im Rahmen seiner Radiosendung auf soulsender.de Frontmann Emcee Sick zu interviewen. Der Kontakt blieb bestehen und schon kurz darauf organisierte ThinkLoud – wohinter sich nicht nur ein Label, sondern auch eine Event- und Künstleragentur verbirgt – eine Europatour für die Jungs aus Buffalo. Diese konnten nun ihren jazzigen, unkonventionellen Sound auch auf die Bühnen jenseits des Atlantiks tragen und zudem die Gelegenheit nutzen, um neue Kontakte in den europäischen Großstädten zu knüpfen.

Droppin Mirrors CoverSo auch in Berlin, wo man Trucker Stroe, dem Hausproduzenten von ThinkLoud, vorgestellt wurde, bei dem Pseudo Slang fortan auf jeder Europareise wieder einkehrten. Und zwar nicht nur, um zusammen rumzuhängen, sondern auch, um gemeinsam Musik zu machen. Für Trucker Stroe waren es nicht die ersten Arbeiten mit Künstlern aus den Staaten: Auf dem 2010 erschienenden und größtenteils von Stroe produzierten Sampler „Droppin Mirrors“ finden sich durch ähnlich zustande gekommene Kontakte, Stücke mit Größen wie Aloe Blacc, Grand Agent, Kev Brown, Kaimbr oder Oddisee wieder. Darüber hinaus prägt der Anfang dreißigjährige Wahlberliner den charismatischen Labelsound durch seine von Jazz, Funk und Soul inspirierten Beats für Lars vom Dorf, der mit seinen unaufgesetzten Reimen schon seit längerem das Aushängeschild von ThinkLoud ist.

Die über die Jahre gewonnene musikalische Reife und die vielfältigen Erfahrungen Stroes fließen auch merklich in die sehr harmonisch geratene Zusammenarbeit mit Pseudo Slang ein. Vom ersten Resultat dieser hoffentlich noch fortgeführten Kollaboration kann man sich nun durch die zwei Stücke „Cool Letter Man“ und „Debt And Danger“ auf der neuen 7 Inch überzeugen. Mit etwas Glück gewinnt ihr die Platte sogar in unserer Verlosung.

Anlässlich des Releases verschenken wir eine 7“ Single von “Pseudo Slang x Trucker Stroe – Cool Letter Man / Debt And Danger” sowie eine CD des Samplers “Droppin Mirrors”. Sendet dazu einfach eine Mail mit dem Betreff “ThinkLoud” bis zum 05.07. an info@mondkultur.net

Classics #2: Trainspotting (Danny Boyle)

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»Ich hab zum Jasagen nein gesagt. Und der Grund dafür? Es gibt keinen Grund dafür. Wer braucht Gründe, wenn er Heroin hat?«

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So beginnt der beste britische Film, der mir bis heute unter die Finger gekommen ist, und so geht er auch weiter. Und würde nicht im Hintergrund Iggy Pops »Lust for Life« laufen, fände man die Anfangssequenz gar dramatisch.

Auf 90 Minuten Film spult Danny Boyle hier die Schicksale eines halben Dutzends hirnloser Drogenabhängiger aus Edinburgh ab, mit all den Hochs, Tiefs und Kehrtwenden, die ein Junkieleben so mit sich bringt.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Mark Renton, der für sein Heroin in ein vollgeschissenes Klo taucht, nebst seinen Freunden: Sickboy, dessen Erklärung für alle Dinge auf dieser Welt »irgendwann wirst du alt und dann bringst du es nicht mehr« lautet, Francis Begby, der nicht ruhig schlafen kann, bis er jemanden verprügelt hat, Spud, der bei einem Bewerbungsgespräch »seine Existenz« als Qualifikation angibt, und Diane, einer siebzehnjährigen Schülerin, der es Spaß macht, mit solchen Typen zu vögeln.

Wer nach dieser Zusammenfassung (verständlicherweise) denkt, der Film sei ein einziger idiotischer Ulk, der unterschätzt Boyles Fähigkeiten als Regisseur: Mit geradezu magischer Kraft schafft er es, Trainspotting in der Schwebe zu halten: Bei seiner Darstellung des schottischen Low-Lifes ist der Zuschauer stets hin und hergerissen zwischen Sympathie und sich-abgestoßen-fühlen und wenn die Handlung zwischen Mark Rentons philosophischen Kommentaren vom Schäbig-Komischen urplötzlich in die Tragik umschlägt, trifft einen das wie ein Schlag ins Gesicht. Der Film platzt geradezu vor schwarzem Humor – und ist doch vielmehr ein Drama als alles Andere. Diese Leistung macht Trainspotting zu einem Werk über sehr menschliche Dinge vor einem menschenunwürdigen Hintergrund, etwas, das sehr unter die Haut geht.

Der Cast legt einen erstklassigen Auftritt hin (aus Mark Renton wurde einige Jahre später Obi Wan Kenobi), vor allem aber verdient der Soundtrack besondere Aufmerksamkeit: Lou Reed, Blur, Iggy Pop, Underworld, Pulp und viele andere tragen entscheidend zur elektrisierenden Wirkung des Films bei, die einen unwillkürlich in ihren Bann zieht.

Nehmt euch also die Zeit für diesen Klassiker. Ihr werdet nach erfolgtem Zugemüteführen sicherlich einige Nächte nicht gut schlafen können (Babyleiche!), aber es lohnt sich. Und versucht es gar nicht erst auf Englisch, der schottische Akzent macht die Originalfassung so gut wie unverständlich.

Suff Draft

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Suff Daddy, bekannt als Produzent und DJ (MPM) aus Berlin.

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Bald startet er die Lumberjack & Gin Tour mit Miles Bonny. Ich traf ihn an einem verregneten Tag in Wien zum Platten kaufen und plaudern.

Wie bist du zu Melting Pot Music gekommen?
Suff Daddy: Ich hab mich vor vielen Jahren bei MySpace angemeldet und meine Beats hochgestellt. Olski, der MPM gegründet hat und betreibt, hat mich dann irgendwann angeschrieben. Also es war ca. 2006, da hat er geschrieben, ob ich nicht ein paar Tracks rausbringen will. Ich hab dann natürlich ja, auf jeden Fall gesagt, und dann hat er sich ein Jahr lang nicht gemeldet! Ich dachte schon, es wird alles nichts mehr. Und dann hat er sich doch noch gemeldet.

Wann hast du angefangen, zu produzieren?
SD: Also, ’99 hab ich angefangen, aber das waren wirklich die ersten Versuche. Da hatte ich gar nicht vor, das so richtig zu machen. Ich hab angefangen, Loops herumzuschieben und hab bemerkt, dass es eigentlich einfach ist. Dann irgendwann wurde es zur Leidenschaft und ich hab immer mehr und mehr produziert. Damals waren die Beats noch ein bisschen scheiße.  (lacht) Ich hab die auch leider alle nicht mehr. Ich hatte in den letzten paar Jahren mehrere Festplatten-Crashes und ich hab nie Sicherungen davon gemacht.

Wie sieht dann ein typischer Tag beim produzieren aus?
SD: Ey, völlig unspektakulär. Ich steh auf, setz mich in Boxer-Shorts vor meinem Computer und mach den an. Dann frühstücke ich und trinke einen Kaffee; vielliecht hör ich dabei Musik. Meistens surfe ich noch stundenlang im Internet herum, bevor ich was mache. Beats mache ich nebenbei. Wenn ich mich hinsetze und zu mir selber sage, „so, jetzt musst du einen Beat machen“, dann wird er meistens scheiße. Ich muss auf die Inspiration warten – das klingt jetzt voll doof, aber es ist so. Ich hause in Berlin in einer Einzimmerwohnung, und der Computer steht neben meinem Bett. Am liebsten verlasse ich das Haus auch gar nicht, Tage- oder Wochenlang, und mache Beats. Und so sieht das dann aus.

Jetzt mal zum sampling… findest du z.B. lieber zuerst ein Sample bevor du einen Beat daraus machst? Wie spielt sich das ab?
SD:  Das ist unterschiedlich. Aber ich finde es immer besser, wenn mann zuerst das Sample hat, denn dann kann man die passenden Drums dazu suchen. Sehr oft programmiere ich Drums, suche ein Sample dazu und find nichts passendes. Ich sollte immer mit einem Sample anfangen; das fällt mir leichter. Ich finde meine Samples eigentlich meistens nebenbei – ich chill einfach super viel zuhause herum, und wenn ich mal was cooles hör – egal ob es etwas in einem Film ist oder im Fernsehen, dann drück ich auf den Aufnahme-Knopf.  Ich hab da keine besondere Vorgehensweise. Ich sample auch MP3s.  Einfach alles. Viele Leute finden das nicht „real“, aber das ist mir egal.

Du sagst selber, dass du dich nicht als Musiker bezeichnen würdest, weil du keine Instrumente spielst…
SD: Ja also, früher… im Musikunterricht, da bin ich immer knapp an der Fünf vorbeigeschrammt… es hat mich damals nicht interressiert. Ich habe auch nie ein Instrument gelernt und kann auch nicht Noten lesen. Ich hab jetzt schon Synthies zuhause, und da spiel irgendwie auch drauf (lacht) und irgendwie ist das schon musizieren. Aber ich könnte nicht klassisch irgendwas spielen. Alles was ich einspiele, ist eher vom feeling her.

Deine größten musikalischen Einflüsse?
SD: Also auf jeden Fall DJ Premier, den hab ich krass gehört… und Marley Marl, weil der früher die ganzen Klassiker gemacht hat. Ich bin durch meinem Bruder zum Hip Hop gekommen, und der hat ’88 begonnen, Platten zu sammeln, bis ’98 dann. Deshalb hab ich als kleiner Junge schon die ganzen Anfang-90er Sachen gehört. Die waren auch die Besten. Das hat mich extremst beeinflusst, weil ich den alten Sound so mag. Ich denke, ich bleibe mein Leben lang dabei. Ich find auch, Hip Hop muss gar nicht so modern werden. Es muss einfach gut sein.

Was hörst du gerne? Was sind deine Klassiker?
SD: Also, ich glaube mein Lieblingsalbum ist Marvin Gaye, I Want You. Kennst du das? Da gehts nur um Liebe, auf dem ganzen Album; jeder Song. Das ist mega geil. (lacht) Also Hip Hop-mäßig ändert sich das bei mir immer, das ist schwer. Ich mein, es ist zwar voll ausgelutscht, aber wahrscheinlich doch die Jaylib. Einfach weil die so krass gut ist. Oder Snoop Dogg, Doggystyle; die kann ich mir immer anhören. Ich sammle auch Platten, aber eher nur Hip Hop Platten. Ich hab auch ein paar Funk und Soul Platten, aber ich kaufe mir eigentlich nur welche, die ich auch auflege. Ich hab mir jetzt Serrato geleistet und mal schauen, wie sich das auf meinem Plattenkonsum auswirkt.  Es gibt ja auch viele geile Songs, die es nicht auf Platte gibt.

Es fällt auf, dass du gerne Detroit Sound auflegst…
SD: Stimmt eigentlich, davon leg ich viel auf! Einfach weil aus dem Umfeld so viele geile Platten gekommen sind. Aber normalerweise spiele ich auch voll viel Alkaholiks. Die hab ich gestern leider ein bisschen vernachlässigt. Zu Detroit komm ich einfach nur weils halt super geil ist. Und – müssen wir jetzt eingentlich gar nicht nennen, aber klar, hey, Jay Dee – ist standard. Und Slum Village – einfach voll geil, weißt du?

Auf jeden Fall. Planst du in der nächsten Zeit ein neues Release?
SD: Ja. Also ich plane immer neue Releases. Ich mache gerade ein Album mit Fleur Earth – sie ist super, sie ist meine Lieblingssängerin. Das ist auch schon so gut wie fertig; wir haben 13 Songs. Aber da sie so viele andere Sachen macht, kann ich noch nicht sagen, wann es rauskommen wird, vielleicht im nächsten Jahr. Mein letztes Album The Gin Diaries war ja eher smooth, da war nur Gesang drauf, kein Rap – und für meine nächste EP hätte ich gerne Ami-Rapper. Das ist noch in der Planung – aber es wird geil!