In weiser Vorraussicht auf die Ereignisse in Japan Anfang März kündigte die ukrainische Regierung Anfang des Jahres an, das Gebiet rund um den Pripyat-Reaktor für den Tourismus zu öffnen. Die Strahlendosis, der man bei solch einer Tour ausgesetzt sei, sei gesundheitlich nicht bedenklicher als eine Röntgenuntersuchung beim Zahnarzt, außerdem weist die ukrainische Regierung darauf hin, dass es deutlich gefährlicher sei, seinen Urlaub etwa mit Bergsteigen zu verbringen. Danke.
Wenn ihr also das nächste Mal vom Plutoniumeinkauf in Russland zurückkommt, leiht euch Dimitrijs Strahlenschutzanzug und blättert die paar Hundert Kröten für dieses sehenswürdige Urlaubsziel hin. Viel Zeit bleibt nicht mehr, um den Unfallort zu besichtigen. Der Sarkophag um den Reaktor droht nämlich einzustürzen, und dann wars das wieder für die nächsten fünfzigtausend Jahre. Oder so.
Die Wagemutigen, die sich auf diese Führung einlassen, werden für ihre Unterstützung der putinistischen ukrainischen Regierung mit einzigartigen Aussichten entlohnt:
Wer also schon immer mal eine Stadt sehen wollte, die, in kürzester Zeit panisch verlassen, nun wieder von Mutter Natur zurückerobert wird (die ihre grünleuchtend mutierten Tentakeln räkelt); Wer sich schon immer Mal einen der berüchtigten Monsterkarpfen aus der Kühlanlage des Reaktors angeln wollte; Wer einfach schon immer Mal den Schauplatz der immerhin achtgrößten Explosion ever besichtigen wollte (der Dinokillerkomet ist gerade Mal auf Platz vier!) — Der sollte diese einmalige Gelegenheit zum “Reverse Ecotourism” wahrnehmen. So bezeichnet die Regierung jedenfalls ihr Projekt, es solle den Leuten vermitteln, wie die Folgen eines atomaren GAUs sich in der Umgebung niederschlagen. Die Ukraine möchte damit nämlich keine Kohle machen, nur Aufklärungsarbeit leisten. Genau.


