Bonobo – Mut zum Wohlbewährten

Während die neue Schule um Jamie XX, Mount Kimbie und Flying Lotus nahezu täglich neuartigere elektronische Soundcollagen veröffentlicht, entwickelte Simon Green alias Bonobo seinen ganz anderen Stil. Wie er diesen beim Konzert in der Darmstädter Centralstation interpretierte war beeindruckend.

Anders als die eingangs erwähnten Produzenten tendiert der Brite Bonobo seit einiger Zeit stärker zu einem wärmeren, akustischen Klangentwurf, der elektronische Elemente und komplexe Drum Collagen zwar ebenfalls vorsieht, aber der organischen Atmosphäre unterordnet. Gerade im Hinblick auf seine Vergangenheit als solider, aber doch etwas langweilender Trip Hop Produzent, überraschte und überzeugte diese gelungene Neuausrichtung auf seiner 2010er LP “Black Sands” nachhaltig.

Bei Simon Greens Stopp auf der gleichnamigen Tour zum Album in Darmstadt trat Bonobo nun mit einer sechsköpfigen Band auf, in der vor allem der Fokus auf die Blasinstrumente (Flöte, Saxophon und Klarinette) imponierte. Angenehm war zudem, wie sich der eigentliche Protagonist Bonobo während des überwiegend instrumentalen Sets vollkommen der Musik unterordnete. Unscheinbar hinter seinem Pult war er vor allem derjenige, der im Stillen die Regie führte. Beim genaueren Hinsehen konnte man beobachten, wieviel der Multi-Instrumentalist zu leisten hatte: Ob am Drumcomputer, Mixer oder seinem E-Bass — schwer beschäftigt war er immer und koordinierte so die basslastigen und psychedelischen Interpretationen seiner Songs.

Neben den instrumentalen Stücken spielt spätestens seit seinem Album “Days To Come” aber sehr wohl auch Gesang eine wichtige Rolle in Greens Musik und so war mit Sängerin Rubi Wood auch live eine Interpretin mit von der Partie, die gut, jedoch längst nicht so eindrucksvoll wie die einzigartige Andreya Triana, Singles wie “Eyesdown” und “The Keeper” und weitere Tracks performte.

Abschließend lässt sich sagen, dass Bonobo sein Album “Black Sands” nahezu ideal mit Band umgesetzt hat. Die Drums hatten allemal genug Druck und Groove, um jeden zum Kopfnicken zu bewegen (mindestens!), während das Kontrastprogramm der organischen Instrumente diese digitalen Elemente vereinnahmte, ohne sie zu unterdrücken.

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