Ein Festival der Superlative

Die Filmfestspiele in Cannes 2011 lassen hohe Erwartungen aufkommen. Sie laufen noch bis zum 22. Mai

Das seit 1946 jährlich veranstaltete Filmfestival gilt zweifelsfrei zur Zeit als das bedeutendste der Welt. Hier trifft sich jährlich die Elite der Filmbranche um seine neuesten Werke zu präsentieren. Dieses Jahr zum 64. Mal.

Und es wird besonders gut: Die Mischung aus Autorenkino und kommerziellen Filmen sowie altbekannten Filmemachern und Neuentdeckungen soll allen Ansprüchen gerecht werden. Hollywoodstars sorgen für den nötigen Presserummel, über den 4000 Journalisten täglich berichten.
Ausgezeichnet werden die Preisträger in 10 Kategorien. Mit in der Jury, die den Gewinner der goldenen Palme bestimmt, werden dieses Jahr Robert De Niro, Uma Thurman und Jude Law sitzen. Zum ersten mal wird regelmäßig ein Sonderpreis verliehen, die Ehrenpalme. Hier sollen Künstler ausgezeichnet werden, die in vergangenen Jahren mehrmals nominiert waren und immer leer ausgegangen sind. Als erster Preisträger wurde der italienische Filmemacher Bernardo Bertolucci ausgewählt.

Eröffnungsfilm war Woody Allens neue Komödie “Midnight In Paris” (außer Konkurrenz), der in Kritikerkreisen recht gut abgeschnitten hat. Spannend werden auch die Werke der Iranischen Filmemacher Jafar Panahi und Mohammed Rasoulof, die trotz Hausarrest und Berufsverbot ihre Filme aus dem Land geschmuggelt haben. Freunde haben die Beiträge auf DVD und USB als symbolischen Wiederstandsakt dem Festival übergeben.

Die größte Aufmerksamkeit wird sicherlich dem neuesten Werk und erst fünften Film von Terrence Malick (Badlands, The Thin Red Line) beigsteuert. Die Ausgangsidee von “Tree of Life” (ab Juni in Deutschland im Kino) ist das weltumfassende und zusammenhaltende Wesen vom einem Lebensbaum der auf eine scheinbar normale Familie der USA in den 60ern übertragen wird. In den Hauptrollen spielen Brad Pitt und Sean Penn. Im Gegensatz zu Woody Allens Fließbandarbeit hat Malick trotz seines langen Schaffens hinter der Kamera erst eine Hand voll Filme abgeliefert, die wichtige Filmpreise gewannen und von den Kritikern immer als Geheimtip gelten. Bei der Premiere wurden jedoch Buhrufe und Applaus zugleich bemerkt.

Spannend wird außerdem das neue Coming of Age-Drama “Restless” von Gus van Sant. Dieser hat schon mit “Elephant” 2003 die goldende Palme und den Preis für die beste Regie gewonnen, sowie mit “Paranoid Park” 2007 eine weitere Auszeichnung erhalten. Konkurrenz dürfte er von den Dardenne Brüdern bekommen, die mit ihrem Film “The Kid with a Bike” ebenfalls favorisiert werden, der mit Truffauts “Sie küssten und sie schlugen ihn” verglichen wird. Sie gewannen bisher schon zweimal die goldene Palme.
Weitere Höhepunkte werden der Film “Melancholia” von Lars von Trier, “La Piel Que Habito” (Die Haut in der ich lebe) von Pedro Almodóvar und Ari Kaurismäkis “Le Havre” sein.
Am 22. Mai sind die diesjährigen Gewinner ermittelt.