Classics #2: Trainspotting (Danny Boyle)

»Ich hab zum Jasagen nein gesagt. Und der Grund dafür? Es gibt keinen Grund dafür. Wer braucht Gründe, wenn er Heroin hat?«

So beginnt der beste britische Film, der mir bis heute unter die Finger gekommen ist, und so geht er auch weiter. Und würde nicht im Hintergrund Iggy Pops »Lust for Life« laufen, fände man die Anfangssequenz gar dramatisch.

Auf 90 Minuten Film spult Danny Boyle hier die Schicksale eines halben Dutzends hirnloser Drogenabhängiger aus Edinburgh ab, mit all den Hochs, Tiefs und Kehrtwenden, die ein Junkieleben so mit sich bringt.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Mark Renton, der für sein Heroin in ein vollgeschissenes Klo taucht, nebst seinen Freunden: Sickboy, dessen Erklärung für alle Dinge auf dieser Welt »irgendwann wirst du alt und dann bringst du es nicht mehr« lautet, Francis Begby, der nicht ruhig schlafen kann, bis er jemanden verprügelt hat, Spud, der bei einem Bewerbungsgespräch »seine Existenz« als Qualifikation angibt, und Diane, einer siebzehnjährigen Schülerin, der es Spaß macht, mit solchen Typen zu vögeln.

Wer nach dieser Zusammenfassung (verständlicherweise) denkt, der Film sei ein einziger idiotischer Ulk, der unterschätzt Boyles Fähigkeiten als Regisseur: Mit geradezu magischer Kraft schafft er es, Trainspotting in der Schwebe zu halten: Bei seiner Darstellung des schottischen Low-Lifes ist der Zuschauer stets hin und hergerissen zwischen Sympathie und sich-abgestoßen-fühlen und wenn die Handlung zwischen Mark Rentons philosophischen Kommentaren vom Schäbig-Komischen urplötzlich in die Tragik umschlägt, trifft einen das wie ein Schlag ins Gesicht. Der Film platzt geradezu vor schwarzem Humor – und ist doch vielmehr ein Drama als alles Andere. Diese Leistung macht Trainspotting zu einem Werk über sehr menschliche Dinge vor einem menschenunwürdigen Hintergrund, etwas, das sehr unter die Haut geht.

Der Cast legt einen erstklassigen Auftritt hin (aus Mark Renton wurde einige Jahre später Obi Wan Kenobi), vor allem aber verdient der Soundtrack besondere Aufmerksamkeit: Lou Reed, Blur, Iggy Pop, Underworld, Pulp und viele andere tragen entscheidend zur elektrisierenden Wirkung des Films bei, die einen unwillkürlich in ihren Bann zieht.

Nehmt euch also die Zeit für diesen Klassiker. Ihr werdet nach erfolgtem Zugemüteführen sicherlich einige Nächte nicht gut schlafen können (Babyleiche!), aber es lohnt sich. Und versucht es gar nicht erst auf Englisch, der schottische Akzent macht die Originalfassung so gut wie unverständlich.