Vor einigen Wochen haben wir über die neue Single des Berliner Produzenten Trucker Stroe und der aus Buffalo, NY stammenden Rap-Formation Pseudo Slang berichtet und zwei Exemplare unter den Mondkultur-Lesern verlost. Erschienen ist die 7 Inch auf dem Label ThinkLoud, wo neben Rappern und Produzenten auch eine Reihe DJs zu Hause ist. Zu diesen zählt auch einer der Label-Mitbegründer selbst, Uncle Corn aka DJ Conikt, der uns und vor allem Euch ein exklusives Mondkultur-Mix(tape) zusammengestellt hat! Wir wünschen viel Spaß beim Hören und haben Conikt gebeten, sich und seinen Mix kurz vorzustellen.
Mondkultur: Wie bist du zum Plattensammeln und DJing gekommen?
DJ Conikt: Ich war im Jahr 2000 das erste Mal auf dem Splash Festival und habe dort gesehen wie DJs auflegen. Natürlich hatte ich das auch schon vorher hier und da sehen und hören können, doch begeisterte mich das Festival und die Fülle an Qualität so sehr, dass ich begann mich neben der Musik auch für das Handwerk des DJs zu interessieren. Als ich zurück kam, habe ich mir von meinem Lehrlingsgeld einen Technics-Plattenspieler gekauft und angefangen Schallplatten zu kaufen. Zunächst habe ich ein schlechtes Behringer Mischpult und einen alten RFT-Plattenspieler zum Mischen benutzt, doch noch im selben Jahr habe ich die ersten Tapes aufgenommen und mit meinen Cousins kleine Partys veranstaltet. Das war zunächst eine ganz private Angelegenheit, doch ca. ein Jahr später hatten wir dann mehr als 300 Gäste. Über diese Partys lernte ich auch meine jetzigen Labelkollegen kennen und so kam eins zum anderen, indem man Ressourcen zusammenlegte und natürliche Synergieeffekte nutzte.
MK: Erinnerst du dich noch an deine erste gekaufte Scheibe?
Conikt: Meine erste Bestellung habe ich kurz nach dem Besuch beim Splash gemacht. Ein Fußballkollege hatte mir damals den MZEE Katalog mitgebracht. Dort gab es ja fast alle deutschen Rapveröffentlichungen in Form von Vinyl zu kaufen und ich habe das Angebot ausgiebig genutzt. Meine ersten zwei Platten waren die Alben „Fenster zum Hof“ von den Stieber Twins und „Genesis Exodus“ von Main Concept. Das waren wohl die beeindruckendsten Acts auf dem Splash gewesen.
MK: Welchen Sound legst du auf und was bekommen wir in deinem hier bei Mondkultur präsentierten Mix zu hören?
Conikt: Ich lege seit ca. 11 Jahren auf und ich habe in dieser Zeit verschiedene Genres ausprobiert. Angefangen habe ich wie gesagt mit deutschem HipHop und natürlich habe ich wenig später englischsprachigen Rap entdeckt. Über meine DJ-Kollegen bei ThinkLoud habe ich dann auch zu den Wurzeln von Rapmusik gefunden und meine Sammlung um Soul-, Funk- und Jazzplatten erweitert. Prinzipiell höre ich aber alle erdenklichen Genres, doch wenn ich auflege handelt es sich schon meistens um homogene HipHop Sets, wobei es mir immer wichtig ist, nicht nur Klassiker zu spielen, sondern auch stets aktuelle Platten einzubauen. Denn finde ich es schade, dass die meisten HipHop DJs immer nur die Rapstücke spielen, die schon vor 10 Jahren funktioniert haben. Sicher gehören DJ Premier oder Pete Rock Tracks zu jedem guten HipHop Set dazu, doch gibt es auch heute noch gute Künstler und Platten im Style des klassischen HipHop Sounds, so dass ich immer versuche auch aktuelle Lieder einzubauen. Auch um vielleicht den ein oder anderen Klassiker von morgen zu kreieren.
MK: Ich finde, der Mix passt perfekt zur anbrechenden Jahreszeit. Welche Stimmung soll dein Mix transportieren?
Conikt: Genau, der Mix für Mondkultur ist nicht mit einem Genre zu beschreiben, sondern wie Du schon bemerkt hast, gibt es da eher eine Stimmung, die sich im Sound wiederfindet. Das Thema Mond und die damit verbundenen Assoziationen haben mich auf jeden Fall beim Mischen und Auswählen der Platten inspiriert. Konkret habe ich dazu Künstler wie Bibio, Long Arm, Onra, Krts, das Bersarin Quartett oder Huess ausgewählt. Dabei ging es mir aber nicht nur um den Sound in Bezug auf eine Stimmung, sondern auch um konkrete Künstler, die ich zur Zeit sehr gerne höre und die auf jeden Fall noch mehr Aufmerksamkeit verdienen. Zwar habe ich den Mix absichtlich mit unserer aktuellen Veröffentlichung begonnen und ursprünglich sollte es auch eher ein HipHop Mix werden, doch wie ihr hören könnt, ist alles ganz anders gekommen. Das zeigt mir, dass das Plattenauflegen nicht nur ein Handwerk ist, sondern auch etwas kreativ Künstlerisches.
MK: Gibt es die Möglichkeit, mehr von dir zu hören und was erwartet uns in Zukunft von deinem Label ThinkLoud?
Conikt: Wie ihr schon berichtet habt, haben wir bei ThinkLoud zuletzt eine Singleschallplatte von Pseudo Slang und Trucker Stroe veröffentlicht. Es werden sicher weitere Veröffentlichungen folgen, gerade Trucker Stroe hat schon ein ganzes Album fertig, was auch wieder als Schallplatte erscheinen soll, doch ein genaues Veröffentlichungsdatum kann ich hier noch nicht benennen. Bis dahin werde ich sicher nicht untätig sein, denn ich bin weiterhin regelmäßig im Radio aktiv. Und zwar sende ich einmal im Monat auf Radio Blau im freien Bürgerradio von Leipzig. Meine Sendung heißt Future Classics und beschäftigt sich vor allem mit aktuellen HipHop Veröffentlichungen. Hier kann man alle bisherigen Shows im Archive nachhören und auf radioblau.de findet man auch einen Livestream zum Programm des Senders. Über zwei Jahre war ich auch bei Soulsender.de aktiv, einem Webradio, welches leider seit diesem Monat den Sendebetrieb auf unbestimmte Zeit eingestellt hat. Auch hier gibt es ein Archiv zu den gelaufenen Sendungen. Interessant waren bei diesen Sendungen vor allem die Interviews mit Künstlern wie Mayer Hawthorne, den Stieber Twins, Oddisee, Miles Bonny, Suff Daddy, Mathew Halsall, usw.
MK: Wir bedanken uns bei dir für das Interview.