Zum 140. Geburtstag des Künstlers haben die Harvard Art Museums eine Retrospektive zusammengestellt, die in einer Doppelausstellung sowohl Zeichnungen und Aquarelle als auch – zum ersten Mal in Deutschland – Fotografien zeigt. Von Februar bis Mai war die Ausstellung in der Kupferstichgalerie Berlin zu Gast, jetzt werden die Werke in der Pinakothek der Moderne in München gezeigt. Anders als sonst stehen nicht die Ölgemälde im Mittelpunkt – zu sehen sind nur wenige, darunter die „Vogel-Wolke“ (1926).
Umso mehr liegt die Betonung auf dem zeichnerischen Frühwerk, das lange Jahre der Öffentlichkeit vorenthalten war. Feininger hatte sie einem Freund in Deutschland ausgehändigt, der sie nach dem Krieg nicht wieder hergeben wollte. Schließlich kamen sie nach Harvard und sind nun erstmals wieder in Deutschland, in denen viele von ihnen entstanden sind. Interessant ist die Entwicklung vom Karikaturisten und Naturalisten zum Prismaisten – Feininger selbst bezeichnete seinen sehr eigenen, bekannten Stil als „Prisma-ismus“ – der anhand der Werke gut nachvollzogen werden kann. Doch Feininger legte sich nicht auf diesen einen Stil fest, er malte auch weiterhin Aquarelle, die in ihrem ganzen Ausdruck eher an Paul Klee erinnern (s. rechts).
Die zweite, ebenso umfangreiche Hälfte bilden Fotografien. Sie sind einerseits als biografische Dokumente interessant und zeigen Orte, an denen sich Feininger aufhielt – Dessau, New York und andere –, andererseits machte er aber schon früh künstlerische Versuche mit der Kamera. Insbesondere Spiegelungen in Glas ist ein wiederkehrendes Motiv, aber auch Schaufensterpuppen, die er je nach gewünschter Aussage belebt oder tot erscheinen lässt. Links ein Foto aus Dessau, wo Feininger in den 20er Jahren als Lehrer am Bauhaus wirkte. Es entstand eine ganze Reihe von Nachtbildern, bei denen immer das Licht die zentrale Rolle spielt.
Alles in allem eine inspirierende, aber auch recht anstrengende Ausstellung. Die Bilder, die oft keine eindeutige Aussage haben, und eine umfangreiche Broschüre, die Informationen zu jedem Werk und bisweilen individuelle Interpretationen bietet, zehren auf die Dauer an den Nerven, sodass ich raten muss, nicht jedem Bild allzu viel Aufmerksamkeit zu schenken.


