Fela Soul

De La Soul + Fela Kuti = Fela Soul. Produzent Amerigo Gazaway beschert uns ein Mash-Up Album vom Allerfeinsten!

Eigentlich sehen wir es nicht als unsere Aufgabe über täglich neu erscheinende free-download-tracks und -mixtapes zu berichten, das überlassen wir lieber den zahlreichen darauf spezialisierten Blogs. Wenn aber was besonders Interessantes dabei ist, wie nun vor wenigen Wochen, greifen wir dies gerne aus dem schnell fließenden Informationsstrom heraus, bringen es hier in eine etwas exponiertere Stellung und halten es für ein paar Tage länger fest. Getroffen hat es diesmal ein ziemlich gelungenes Mash-Up-Album von Amerigo Gazaway, einem in Nashville, Tennessee lebenden Rapper, Turntablisten und Hip Hop Produzenten.

Grey AlbumZusammengestellt hat dieser das 9 Songs umfassende „Fela Soul“, welches – wie der Name vermuten lässt – eine Fusion des Afrobeats Fela Kutis mit den Reimen des legendären Raptrios De La Soul wagt. Dass Mash-Up Alben, auf denen unterschiedliche Musikstile zusammengeführt werden, gut funktionieren können, wissen wir spätestens seit Danger Mouses 2004 einschlagendem Grey Album, auf dem die Instrumentals der Beatles auf Jay-Zs Acapellas treffen. Davon inspiriert hat es in den folgenden Jahren nahezu eine Flut ähnlicher Projekte gegeben. Eine herausragende Rolle hat dabei sicherlich Max Tannone eingenommen, der mittlerweile eine ganze Serie beeindruckender Mash-Ups produziert hat: Darunter eine Fusion von Jay-Z und Radiohead (Jaydiohead), Dub Mixes der beiden Black Star Partner Talib Kweli und Mos Def und erst in diesem Jahr konnten wir Wu-Tangs Ghostface über verspielte Funkbeats (Ghostfunk) spitten hören. Gräbt man sich tiefer in die Mash-Up Welt, kann man fast alle möglichen Kombinationen vorfinden und interessante Entdeckungen machen: So brachten beispielsweise die beiden weitgehend unbekannten DJs Cappel & Smitty die Raps von Notorious BIG auf Tuchfühlung mit Frank Sinatras Klassikern und es funktionierte erstaunlich gut. Doch nicht alles was sich erst mal gut liest, hört sich auch gut an und so finden sich leider auch viele halbgare und zu gezwungen klingende Mash-Ups im Netz.

Amerigo Gazaway

A. Gazaway

„Fela Soul“ klingt hingegen alles andere als gezwungen. Würde man die Originale nicht kennen, könnte man gut glauben, De La Soul würde genau so klingen, wie Amerigo Gazaway es neu arrangiert hat. Gleichzeitig merkt der mit De La Soul vertraute Hörer, dass Gazaway die Songs nicht einfach nur verändert, sondern sie bereichert und das macht schließlich ein gutes Mash-Up aus. Um die Vocals wurde ein neues und stimmiges Beatgerüst aus den Drums von Kuti Songs, teilweise aber auch anderen Quellen, gezogen und dieses mit einem Haufen Fela Kuti Samples – vorzugsweise satten Bläsersätzen – versehen. Bestechend ist auch die Songauswahl, denn es finden sich Songs aus den verschiedensten Jahren, Klassiker wie „Stakes is High“ oder „Ooh feat. Redman“ und überraschende, sicherlich nicht leicht zu bearbeitende Tracks wie das weirde „Rock Co.Kane Flow“ oder die Gorillaz-Kollabo „Feel Good Inc.“ auf dem Album.

Wie es der Produzent in den Liner Notes zu „Fela Soul“ selbst auf den Punkt bringt, kombiniert das Mash-Up den Sound zweier zeitloser Legenden unterschiedlicher Genres, deren Schaffen eine kaum zu messende Zahl heutiger Musiker und Künstler beeinflusst und inspiriert haben dürfte. Musikalisch zeigt Gazaway, dass Afrobeat und Hip Hop originell zusammen gehen können, aber auch die Message sei eine ähnliche, so Gazaway. So wie die Rapper aus der amerikanischen Unterschicht die bestehenden Zustände und Ungleichheiten angeprangert haben, so ist ganz klar auch Felas politischer Aufruf einer für den sozialen Wandel und gegen die Unterdrückung (in seinem Fall durch die ehemalige nigerianische Militärdiktatur) gewesen. Vergessen wird dabei jedoch ein anderer Teil von Kutis Message, nämlich seine mehr als problematische Sicht auf die Rolle der Frauen, seine Einstellung zum Thema Verhütung sowie seine Dämonisierung von Homosexualität (was im Übrigen leider auch Themen sind, die der Hip Hop Welt nicht immer fern sind). Nichtsdestotrotz lohnt es sich, sich mit dem Begründer des Afrobeats auseinanderzusetzen und dafür bietet Gazaways brückenschlagendes Fela Soul Cover„Fela Soul“ dem Hip Hop Fan erstes überzeugendes und in vertraute Strukturen eingeflochtenes Anschauungsmaterial. Wen es weiter, aber weniger in die vergangenen Tage treibt, der kann auch gegenwärtig eine Fülle an Afrobeat-Alben vorfinden, denn das Genre erfreut sich seit einigen Jahren einem richtigen Revival. Nicht zuletzt veröffentlichen auch Felas ältester Sohn Femi Kuti sowie der Drummer aus Felas damaliger Band, Tony Allen, fleißig Alben, die sich hören lassen.

Aber zurück zu Amerigo Gazaways „Fela Soul“. Meine Empfehlung jetzt – um es in Worten der Native Tongue Posse zu sagen: „Sit back, relax, listen to some hip hop“

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