Glenn Astro

Ein Gespräch mit dem Produzenten Glenn Astro über Genres und seine Vorliebe für analoges Equipment.

Ich glaube jeder Mensch hat ein gewisses Bedürfnis nach Ordnung. Dies kann sich zum Beispiel in festen Esszeiten äußern (ich habe zwar noch nie so jemanden getroffen, aber soll’s wohl geben) oder in dem Verlangen Musik in Worte zu fassen, zu kategorisieren. Letzteres trifft auf mich zu. Schäme ich mich dafür? Auf keinen Fall. Jedoch muss ich zugeben, dass mir das wohl nie so schwer gefallen ist, wie bei Glenn Astro. Seit ungefähr einem Jahr folge ich ihm auf Soundcloud und die Entwicklung, die er in dieser relativ kurzen Zeitspanne gemacht hat ist einfach atemberaubend. An diesem Punkt könnte wohl einer meiner langen, allzu pathetischen Monologe über mein Musikempfinden einsetzen, aber ich habe beschlossen mich diesmal zurückzuhalten.

Ich freue mich daher sehr euch ein Interview mit einem netten, talentierten und vielversprechenden Künstler zu präsentieren :

In der Beschreibung zu der Hold On Ep, die einen Remix von dir enthält, bezeichnet dich HHV als “Afro House/2 Step Artist”. Findest du, dass das zu dir passt?

Glenn Astro: (lacht) Das ist natürlich direkt eine harte Frage. Ich weiß zwar nicht wie HHV darauf gekommen ist, aber ich finde es schön, dass sich Leute darüber Gedanken machen, welche Beschreibung zu meiner Musik passt. Und bevor man mich in die “Minimal/Tech-House” Schublade steckt (wie ein Webshop letztens), ist mir “Afro House/2 Step” doch lieber.

Noch ein Zitat : “When Glenn Astro started making music at the age of 12″. Dieser Satz steht in deiner Biographie auf der Seite von Big Bait Records. Ich frage mich, wie kommt man so früh in Berührung mit Musik und vor allem Produktion? Hattest du einen älteren Bruder, der dich in die Welt des Hip Hop eingeführt hat, wie das zum Beispiel bei Suff Daddy der Fall war? 

GA: Das klingt nach einer schönen Bilderbuchgeschichte. Ganz so war es bei mir leider nicht. Ich habe zwar einen älteren Bruder, der ist aber eher ein Freund der Gitarrenmusik – von ihm habe ich zum Beispiel meine erste Gitarre und einen E-Bass bekommen. Zum Produzieren kam ich vor allem durch das Djing: Am Anfang standen viele Turntablelism und Scratch Versuche, jedoch habe ich das relativ schnell schleifen lassen, einfach weil es zu viel Üben war. Parallel dazu habe eine uralte Fruity Loops Version entdeckt und damit die ersten “Beats” gemacht. Das hat sich dann auch sehr schnell auf andere Programme und erste Hardware Anschaffungen ausgeweitet. Trotzdem traue ich mir noch einen halbwegs passablen Crab Scratch zu. (lacht) 

Ein Charakteristikum deiner Musik ist immer diese gewisse “Rawness”. Wie kommt sie zustande? 

GA: Also diese Rawness, die Du ansprichst, entsteht denke ich wirklich dadurch, dass ich den Großteil meiner Tracks ausserhalb des Computers produziere. Das Herzstück ist dann meistens die MPC oder die SP 404 für Drums und Samples. Dazu benutze ich noch analoge Klangquellen, also Synthies und Rackmodule. Zur Zeit benutze ich zum Beispiel sehr oft den JX-8P von Roland, der einen sehr warmen analogen Sound hat, aber für Basslines leider nicht viel taugt. Für Percussions hab ich ‘nen Haufen billiger Shaker und Triangeln, die ich gerne benutze.  Im Endeffekt dient meine DAW dann nur dazu die einzelnen Spuren zu arrangieren oder für Effekt-Plugins. Es ist aber nicht so, dass ich keine ”sauber & digital” ausproduzierte Musik mag, es hat sich für mich nur so ergeben, dass ich für meine Produktionen diese ‘dreckige’ Sound Ästhetik bevorzuge.

Setzt du deine Musik auch Live um? Wenn ja, wie? 

GA: Nee, ein Live-Set mit Laptop und Controllern hab ich nicht. Wenn, dann leg ich einfach mit Vinyl auf. Eigene Sachen kann ich dann also eher nicht spielen, weil es ja nichts bzw. fast nichts von mir auf Vinyl gibt. Serato oder ähnliches besitze ich auch nicht. Alles also sehr Basic & “oldschool”,  wenn man das so nennen möchte. Wenn es soweit ist, werde ich mir mal Gedanken über ein Live-Set machen. Momentan macht es mir auch einfach noch sehr viel Spass nur mit zwei Plattenspielern und einem Mixer aufzulegen.

Naja “fast nichts” ist auch etwas zu tief gestapelt. Du hast gerade zwei Tracks auf Big Bait Records und einen Remix für KRTS veröffentlicht. Wie kam der Deal mit Big Bait zustande?

GA: Das mit Big Bait Records lief recht entspannt ab. Peter Clamat hat mich damals über Soundcloud angeschrieben und gefragt, ob die beiden Tracks schon für etwas eingeplant wären und ob ich nicht Lust hätte sie über Big Bait rauszubringen. Da hab ich natürlich ja gesagt, wie man sieht. Ich bin echt froh, dass es zu diesem Release gekommen ist, zumal die andere Seite mit Lee Websters ‘Hotel Groove’ auch stark ist.

 

Was können wir von dir in 2011 bzw. 2012 musikalisch erwarten? 

Es steht grad einiges an. Demnächst wird es einige Remixe von mir geben, die ich gemacht hab für Duktus (Resistant Mindz), JJ Mumbles (WotNotMusic) und Cream Child (Ritmo Sportivo). Ende November kommt dann noch eine EP über das russische Label Ritmo Sportivo. Ansonsten ist eine EP zusammen mit Krts in Arbeit für das Soulection Radio/Label, da weiß ich aber noch nicht wann das fertig sein wird. Und eine Sache, auf die ich mich sehr freue, ist ein Projekt, das ich zusammen mit Rasho T. L’Or, I.M.YRMiND und Renaud Davis plane. Näheres kann ich an dieser Stelle aber noch nicht verraten.

Krts – Hold On (Glenn Astro Remix) [PMC087] by Glenn Astro

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Glenn Astro – Colored Sands 1&2 (preview) [bigbait008] by Glenn Astro

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