It Was Written #3 – Funk & Soul Covers

In unserer Serie “It Was Written” stellen wir Euch interessante Magazine, Hefte und Bücher rund um das Thema Musik vor. Im dritten Teil tauchen wir ein in die Coverkunst der Funk & Soul Ära.

Die letzten Jahre haben es noch einmal gezeigt: Die Schallplatte ist nicht unterzukriegen. Die Verkaufszahlen für Vinyl stiegen – anders als bei der CD – wieder an. Neben dem Sound ist es vor allem das haptische und optische Erlebnis, das an der Schallplatte so fasziniert. Es ergreift den Hörer schon bevor er die Nadel das erste Mal in die schwarze Rille legt, und lässt heutzutage gerade diejenigen nicht mehr los, die mit CDs und den noch charakterloseren mp3s groß geworden sind. Es ist das Format, welches die Schallplatte nicht nur Musik, sondern stets auch Kunstwerk sein lässt. So versteht es auch der portugiesische Vinylsammler, Plattenfirmenberater und Radiomann Joaquim Paolo, der in seinem Buch „Funk & Soul Covers“ eine Auswahl von 500 Plattencovern aus den späten 60er, 70er und frühen 80er Jahren präsentiert.

Wie Paolo in der Einleitung des Buches beschreibt, ist es ihm alles andere als leicht gefallen, sich auf eine endgültige Auswahl an Covern festzulegen. Er hat zwar nur aus seiner Privatsammlung ausgewählt, aber selbst die umfasst rund 25000 Exemplare, was die Sache nicht einfacher macht. Als Auswahlkriterien galten ihm der persönliche Geschmack, die visuelle Wirkung, die Seltenheit sowie die historische Bedeutung einer Platte. Herausgekommen ist dabei eine Zusammenstellung, bei der es dann doch nicht nur um die Gestaltung der Cover geht, sondern auch um die Platte als Ganzes. Es wird darauf geachtet, wegweisende Meilensteine unterzubringen, daneben auf obskure Raritäten aufmerksam zu machen und darüber hinaus einfach ganz persönliche Lieblingsscheiben und -cover vorzustellen. Paolo versteht sein Buch eben vor allem als einen Ausgangspunkt für den Leser, eine musikalische Reise anzutreten, auf der sich immer wieder neue Horizonte auftun.

Zum Entdecken neuer Musik geben auch die zusätzlich im Buch enthaltenden Top-Ten-Listen bekannter DJs, Labelchefs und Sammler Anreize. Anspieltipps kommen zum Beispiel vom legendären Steinski, der in den 80ern als Sample-Pionier zusammen mit Double Dee die „Lesson-Mixes“ raus brachte, von Stones Throws und Now-Agains Label Manager Egon oder vom Northern Soul DJ Andy Smith. Doch nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht – Paolos Buch ist keineswegs ein bloßes Must-Hear-Diktat, dafür ist es viel zu umfang- und facettenreich. Der Kern des Buches mit seinen über 500 Plattenabbildungen und den beigefügten Kurzbeschreibungen lädt vielmehr schlichtweg zum Stöbern ein und überrascht den Leser bei jedem Aufschlagen wieder auf’s Neue.

EWFDie (teilweise ganzseitig) abgebildeten Cover führen den Leser in eine Zeit, in der sich im „schwarzen Amerika“ ein ganz neues Lebensgefühl breit macht, das nur so strotzt vor Selbstbewusstsein, Coolness und Sexyness. Faszinierend ist aber auch die Machart der einzelnen Cover, bedenkt man, dass Schriftzüge und Effekte nicht einfach per Mausklick ihren Weg auf das Cover fanden. Stundenlang mussten Effekte und Bildmanipulationen im Fotolabor oder –studio ausgetüftelt werden – ganz ohne Photoshop. Auch dies hat sicherlich dazu beigetragen, dass die Cover der funky 70er-Jahre-Ära einen so eigenen Stil und damit hohen Wiedererkennungswert haben.

Joaquim Paolo gewährt mit seinem aufwendig produzierten Nachfolger zum ebenfalls empfehlenswerten „Jazz Covers“ einen tiefen Einblick in das musikalische und künstlerische Schaffen im Funk und Soul, aber auch in die verwandten Spielarten des Boogie, Disco oder Afrobeats. Das 430 Seiten starke Buch lässt wenig Wünsche offen und entfaltet besonders durch das LP-förmige Format seine mitreißende Wirkung.

Erschienen ist „Funk and Soul Covers“ im vergangenen Jahr beim Taschen Verlag; ca. 29 Euro