WeFunk-Radio ist ein wahres Urgestein unter den Online-Radios und gilt noch immer als einer der großen Fixsterne am über die Jahre wirr gewordenen stream-on-demand-Himmel. Dass WeFunk nach nunmehr elfjähriger Internetpräsenz immer noch auf Sendung ist und sich zudem mit konstanter Qualität vom üblichen Mittelmaß abhebt, imponiert besonders, da es sich bei der Radioshow um eine von lediglich zwei privaten Köpfen betriebene und bewusst auf Werbemittel verzichtende Lokalsendung auf dem College-Radio der McGill University in Montreal handelt. DJ Static und Professor Groove versorgen nun seit 1996 jeden Freitag von 0 bis 2 Uhr nachts Campus und Stadt mit der Crème de la Crème aus Funk, Soul und Hip Hop. Drei Jahre oder 167 Shows später wurde der beliebte WeFunk-Sound per Webstream dann auch dem Rest der Welt zugänglich gemacht.
Damit war man gleich in der Entstehungsphase der Online-Radios dabei: Denn diese fanden, zusammen mit den ersten Musikprogrammen à la Winamp, erst in den späten 90ern und um 2000 ihre Verbreitung und erreichten ein zunehmend annehmbares auditives Qualitätsniveau. Das Unternehmen mit dem Apfellogo, das 2001 sein iTunes auf den Markt brachte, wurde sogleich auf den kleinen, aber bereits etablierten College-Kanal aus Kanada aufmerksam und stellte WeFunk mit der Auflistung im iTunes-Radio-Verzeichnis einer noch breiteren Öffentlichkeit vor. Und diese wusste durchaus wieder etwas mit Funk und Soul anzufangen, schließlich markiert das Jahr 2001 den Beginn des großen Funk-Revivals. Während die Visionäre der Poets of Rhythm 1993 mit ihrem puristischen „Practice What You Preach“ der Zeit schon etwas voraus eilten, schossen nach der Jahrtausendwende weltweit unzählige neue Funkkappellen aus dem Boden. The New Mastersounds, The Bamboos, Speedometer, Sharon Jones and The Dap-Kings oder The Diplomats of Solid Sound: So lauten nur einige der Namen der Bands, die mit ihren Singles oder Alben just im Jahr eins nach dem Millennium debütierten. Während in der Hip Hop Szene die Ermüdungserscheinungen nach dem goldenen Blütejahrzehnt merkbar zunahmen, gelang dem Funk mit neuer Verve und aufpoliertem Sound ein großartiges Comeback. Der Funke sprang auch auf WeFunk über, die ihren Hörerstamm stetig erweitern konnten und auf mittlerweile über 640 Shows zurückblicken, welche fast alle im Online-Archiv nachzuhören sind.
Die typische WeFunk-Sendung startet mit einem feurigen Opener und führt anschließend mit ein paar Worten in das musikalische Programm der nächsten 120 Minuten ein. Ansonsten hält man sich am Mikrofon zurück und vertraut auf ein stimmiges DJ-Set, zu welchem neben den beiden Residents Static und Groove nicht selten ein Gast aus deren musikalischem Umfeld beisteuert. Je nach Besetzung sowie Lust und Laune lesen sich die Playlists (in welchen übrigens jeder einzelne Song angewählt werden kann!) mal funkiger, mal Hip-Hop-lastiger, mal vertrauter und mal nerdiger – eintönig wird es zum Glück nie.
Wer sich nun selbst ein Bild von WeFunk machen möchte, hört die aktuelle Show oder legt sein Ohr auf die Schiene der Geschichte.
